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Warum Portugal den Wohnungsbau verdreifachen muss und was das für Käufer und Investoren bedeutet

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David Westmoreland

Managing Director

housing construction in Portugal

Die Wohnungsknappheit in Portugal hat sich zu einer der entscheidenden wirtschaftlichen Herausforderungen für den Immobilienmarkt des Landes entwickelt. Jüngste Analysen legen nahe, dass Portugal das Tempo des Wohnungsbaus drastisch steigern und die Zahl der jährlich gebauten Wohnungen möglicherweise verdreifachen muss, um die Nachfrage zu decken.

Auch wenn die Schlagzeile alarmierend klingt, ist die zugrunde liegende Situation differenzierter. Für Käufer, Bauträger und Investoren prägt das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt einen der wichtigsten Immobilientrends im heutigen Portugal.

Im Folgenden untersuchen wir, was die Knappheit verursacht, warum der Bau mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann und was dies für die Zukunft des portugiesischen Immobilienmarktes bedeutet.

Das Ausmaß der Wohnungsknappheit in Portugal

Das Niveau des Wohnungsbaus in Portugal liegt weiterhin weit unter dem, was zur Deckung der Nachfrage erforderlich wäre.

Analysen von Beratungsunternehmen zeigen, dass das Land jährlich etwa 70.000 neue Wohnungen bauen müsste, doch die aktuelle Produktion liegt bei nur 20.000 bis 28.000 Wohnungen pro Jahr.

Diese Lücke hat zu einem strukturellen Mangel von schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Wohnungen im ganzen Land geführt – ein Defizit, das weiter wächst, da die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Mehrere Trends haben den Druck auf die Verfügbarkeit von Wohnraum verstärkt:

  • Bevölkerungswachstum in Großstädten und Küstenregionen
  • Gestiegene internationale Nachfrage nach Immobilien
  • Ein Jahrzehnt des Baurückgangs nach der Finanzkrise von 2008
  • Ein langsames und komplexes Planungssystem

Selbst dort, wo neue Wohnungen genehmigt werden, bleibt die Bauauslastung eingeschränkt. So ist beispielsweise die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude in den letzten Quartalen zurückgegangen, was das künftige Angebot an Wohneinheiten begrenzt.

Warum in Portugal nicht genügend Wohnungen gebaut werden

Trotz starker Nachfrage ist die Erhöhung des Wohnungsangebots in Portugal kein einfaches Unterfangen. Mehrere strukturelle Herausforderungen schränken die Bautätigkeit weiterhin ein.

1. Verzögerungen bei Planung und Genehmigungen

Bauträger sehen sich häufig mit langwierigen Genehmigungsverfahren konfrontiert, insbesondere in beliebten Gemeinden. Dies verlangsamt die Umwandlung von Grundstücken in neue Wohnprojekte.

Die OECD hat festgestellt, dass die Verbesserung der Planungsprozesse und der Abbau von Investitionsbarrieren unerlässlich sind, wenn Portugal seinen Wohnungsbestand erweitern will.

2. Arbeitskräftemangel im Baugewerbe

Der portugiesische Bausektor verlor nach der Krise von 2008 eine große Zahl von Arbeitskräften, von denen viele ins Ausland abwanderten. Der Wiederaufbau dieser Arbeitskräftebasis hat Zeit gebraucht, was zu Kapazitätsengpässen für Bauträger geführt hat.

3. Steigende Baukosten

Obwohl sich der Kostenanstieg in letzter Zeit abgeschwächt hat, ist der Bau neuer Wohnungen nach wie vor deutlich teurer als noch vor einem Jahrzehnt. Die Baukosten für neue Wohnungen sind im Jahresvergleich weiter gestiegen, wobei insbesondere die Arbeitskosten stark angestiegen sind.

4. Ein alternder Wohnungsbestand

Portugal steht zudem vor einer Renovierungsherausforderung. Laut The Portugal News sind rund 35,8 % der Wohngebäude reparaturbedürftig, und weitere 4,6 % benötigen größere bauliche Eingriffe, was bedeutet, dass ein Teil des bestehenden Bestands nicht ohne Weiteres wieder auf den Markt gebracht werden kann.

Die Nachfrage bleibt stark

Die Wohnungsknappheit ist nicht nur ein Angebotsproblem, sondern auch das Ergebnis einer anhaltenden Nachfrage nach Immobilien in Portugal.

Mehrere Faktoren treiben diese Nachfrage an:

  • Internationale Käufer, die umziehen oder investieren
  • Wachsender Tourismus und Lifestyle-Migration
  • Inländische Käufer, die auf den Markt zurückkehren
  • Staatliche Förderprogramme für junge Hausbesitzer

Was dies für Immobilienkäufer bedeutet

Für Käufer, insbesondere internationale Investoren, hat die Wohnungsknappheit in Portugal mehrere Auswirkungen.

1. Begrenztes Angebot

An vielen Standorten, insbesondere in Küstengebieten und Großstädten, ist die Anzahl der verfügbaren Immobilien weiterhin begrenzt. Dies zeigt sich besonders deutlich in den unteren Preisklassen, wo Immobilien unter 200.000 € in den großen Märkten zunehmend selten geworden sind.

2. Langfristige Preisstabilität

Zwar sind kurzfristige Preisschwankungen immer möglich, doch stützt ein struktureller Angebotsmangel in der Regel die langfristigen Immobilienwerte.

Dies ist ein Grund, warum Analysten eine anhaltende Stabilität auf dem portugiesischen Immobilienmarkt erwarten, auch wenn sich das Preiswachstum gegenüber den rasanten Zuwächsen zu Beginn des Jahrzehnts abschwächt.

3. Zunehmende Bedeutung von Neubauprojekten

Da das Angebot an Bestandsimmobilien knapper wird, werden Neubauprojekte eine größere Rolle bei der Deckung der Wohnnachfrage spielen. Projekte, die Planungs- und Bauauflagen erfolgreich meistern, dürften großes Interesse sowohl bei inländischen als auch bei internationalen Käufern wecken.

Eine strukturelle Herausforderung ist auch eine Chance

Portugals Wohnungsmangel ist eindeutig eine Herausforderung für politische Entscheidungsträger und Einwohner. Eine Erhöhung des Wohnungsangebots erfordert:

  • Schnellere Planungsprozesse
  • Größere Baukapazitäten
  • Anhaltende Anreize für die Bautätigkeit
  • Mehr öffentliche Investitionen in den Wohnungsbau

Für Immobilienkäufer und -investoren hat jedoch dasselbe Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in der Vergangenheit die langfristige Marktstärke gestützt.

Mit anderen Worten: Während die Schlagzeilen sich auf eine Immobilienkrise konzentrieren, erzählen die zugrunde liegenden Fundamentaldaten eine andere Geschichte: Portugal bleibt einer der Wohnimmobilienmärkte Europas mit dem größten Angebotsengpass.

Und bis sich der Bau deutlich beschleunigt, dürfte diese Dynamik noch über Jahre hinweg ein prägendes Merkmal des Marktes bleiben.

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